Wärmenetz aus roten Zahlen gerettet

Wie gravierend es ist, wenn ein Wärmenetz nicht kompetent geplant und fachmännisch umgesetzt wird, zeigt das Beispiel vom Nahwärmenetz Kemnath am Buchberg in der Oberpfalz. Schon im Jahr 2012 hat sich aus einem Zusammenschluss mehrerer Kommunen eine Energiegenossenschaft gebildet, um die Abwärme einer nahegelegenen Biogasanlage mit 400kW nachhaltig zu nutzen und damit die zunächst 72 interessierten Anschlusshäuser zu heizen. Als Notheizung in Spitzenzeiten sollte ein Ölkessel dienen.

 

Die kommunale Energiegenossenschaft gab Ende 2013 den Auftrag zur Planung und Umsetzung in die scheinbar professionellen Hände einer Energiefirma, die sich auf Wärmenetze spezialisiert hatte. Leider entwickelte sich das Netz ganz und gar nicht nachhaltig. Der Ölkessel in der Heizzentrale, der nur in Ausnahmefällen anspringen sollte, war ständig in Betrieb, um der Wärmeanforderung der Anschlussnehmer gerecht zu werden. Die Wärmeverluste im Netz waren mit 56% viel zu hoch, pro Jahr wurden ca. 35.000 Liter Öl zusätzlich verbraucht und dadurch stiegen die Betriebskosten unrentabel an. Weder hinsichtlich ökonomischer noch ökologischer Aspekte war die Ausführung des Wärmenetzes gelungen.

 

Michael Pfaller (ENERPIPE) und Marco Rom in der Heizzentrale

Nach der Sanierung läuft das Netz wirtschaftlich rentabel und nachhaltig

Die Genossenschaftsmitglieder zogen daher 2017 das Institut für Energietechnik der Hochschule Amberg-Weiden zu Rate, das die Fehler im System finden, untersuchen und Lösungen dafür aufzeigen sollte. Die Fehler wurden gefunden: unter anderem eine wesentlich überdimensionierte Netzpumpe in der Heizzentrale, zwei hydraulische Weichen im Wärmenetz verhinderten die vollständige Wärmenutzung des BHKW’s, ein Großteil der elektrischen Einbindungen wurde unsachgemäß eingebaut und verdrahtet, so dass deren Funktion nutzlos war, darüber hinaus war zu all diesen Mängeln keine funktionierende Anlagensteuerung vorhanden. Ein zuverlässiger Dauerbetrieb konnte so nicht gewährleistet werden.

Aufgrund der vielen Mängel im System und durch den Vertrauensverlust der Anschlussnehmer in das Wärmenetz, musste die Genossenschaft im März 2018 Insolvenz anmelden. Aber die Bürger von Kemnath wollten ihr Wärmenetz nicht einfach so aufgeben – es war ja alles vorbereitet, die Biogasanlage produzierte Wärme, die Rohre waren verlegt, die Übergabestationen in den Häusern installiert. Warum also das Ganze nicht selbst in die Hand nehmen? Im Einklang mit den Anschlussnehmern wurde die „Fernwärme Versorgung Buchberg GmbH“ unter der Geschäftsführung von Marco Rom gegründet, eine GmbH mit 50 Gesellschaftern darunter auch die Gemeinde Schnaittenbach, die das Feuerwehrhaus und die Mehrzweckhalle mit den erneuerbaren Energien versorgen möchte.

Das Wärmenetz Kemnath musste durch eine fachgerechte Umgestaltung aus den roten Zahlen gerettet werden. Dazu holte man sich die ENERPIPE GmbH aus dem mittelfränkischen Hilpoltstein ins Boot, ein Wärmenetzexperte mit langjähriger Erfahrung im Energiesektor. „Der Tipp kam von einem Mitbieter im Insolvenzverfahren, der schon mehrere Nahwärmenetze mit ENERPIPE erfolgreich umgesetzt hatte“, betont Marco Rom und „wir sind mit den Arbeiten vollends zufrieden, die Nahwärme ist für uns rentabel geworden!“.  

Zuerst erfasste ein Mitarbeiter das Netz fachgerecht und detailliert in ein Hydraulikschema mit Bauteilverzeichnis, so hat man bei  Störungen sofort einen Überblick.

Um nun in Zukunft eine sichere Wärmeleistung zu garantieren, wurde das Netz komplett neu hydraulisch aufgebaut: die hydraulischen Weichen im Netz mussten entfernt und alle Netzteile miteinander verbunden werden. An den Übergabestationen der einzelnen Anschlussnehmer wurde ein hydraulischer Abgleich durchgeführt, damit nur noch so viel Wasser wie nötig im Umlauf ist. Um die bisher horrenden Betriebskosten zu senken, wurden im Heizhaus eine neue Netzpumpe verbaut und Pufferspeicher mit über 30.000 Litern Fassungsvermögen zum Ausgleich der Spitzenlasten installiert. Der Verbrauch von Heizöl wird auf das Minimalste reduziert. Diese neue Technik mit der bedarfsgerechten Regelung senkt deutlich die Betriebskosten. So entstand ein ganzheitliches Regelungskonzept . 

Eine Betriebssicherheit gibt die ENERPIPE „E-Control“ Visualisierung, damit kann vom Computer oder Handy aus jederzeit das Wärmenetz betrachtet und optimiert werden. Sebastian Blab, Ingenieur bei ENERPIPE, hat den Überblick über mehrere von ENERPIPE konzipierte Nahwärmenetze und resultiert, „Wenn der Betreiber nicht selbst schon eingreift bei Unregelmäßigkeiten im Netz, reicht ein Anruf bei mir, um wichtige Parameter einzusehen und bei Bedarf anzupassen. Dieses System ist einfach, schnell und sicher.“

Seit das Wärmenetz nun optimal funktioniert und sich die Gesellschafter der GmbH in Kemnath selbst um alles kümmern, wird das Nahwärmenetz deutlich positiver gesehen und angenommen. So haben sich schon fünf neue Häuser an das runderneuerte Netz angeschlossen. Trotz der höheren  Zahl der Hausanschlüsse werden in Kemnath jetzt jährlich 20.000 Liter fossile Energien eingespart, das entspricht einer Verbesserung der CO2 Bilanz von 60.000 kg. Auch die Stromkosten konnten durch die angepasste Netzpumpe um die Hälfte reduziert werden.

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit schließen sich nicht aus. Mit gutem Gewissen können die Bürger von Kemnath endlich ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

 

 

 

Marco Rom und Michael Pfaller (rechts)

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Sebastian Blab
Projektberatung