Zum Hauptinhalt springen

Winterspelt: Mit Erneuerbaren Energien unabhängig von politischer Weltlage

Mit der Idee des Landwirts Eberhard Gillen, ein Nahwärmenetz in Winterspelt/Eifel zu bauen, um die Abwärme seiner Biogasanlage nachhaltig zu nutzen, stieß er auf reges Interesse in der Nachbarschaft. 

Erweiterung des Nahwärmenetzes

 

Im Herbst 2021 wurden weitere 20 Häuser an das alte bestehende Netz angeschlossen. In diesem Jahr kommt ein dritter Strang hinzu. An diesen schließen sich noch 35 Wärmekunden und 16 Häuser in der Neubausiedlung an, die ab Sommer mit nachhaltiger Wärme gespeist werden können.

Das Wärmenetz hat sich nun um das Doppelte vergrößert, so dass die Biogasanlage, die mit Rindergülle, Gras- sowie Maissilage betrieben wird, von zwei Hackschnitzelkessel mit je 500 kW in der Wärmeproduktion unterstützt wird.

Damit dieses große Nahwärmenetz sicher und bedarfsgerecht laufen kann, stehen auf dem landwirtschaftlichen Anwesen von Eberhard Gillen zwei neue Pufferspeicher mit je 40.000 Liter, ergänzend zu dem bestehenden 50.000 Liter Pufferspeicher. Damit werden Spitzenlasten im System ausgeglichen und für eine zuverlässige Wärme gesorgt.

 

Digitale Überwachung mit E-Control Visualisierung

 

Wie schon beim ersten Netz, holte sich Gillen für die Netzerweiterung als Partner bei der Planung und Umsetzung das Team von ENERPIPE mit ins Boot. Für die fast 4 km lange Trasse des dritten Strangs, entschied sich Betreiber Gillen für das hochgedämmte, druckverlustarme Kunststoffrohr FibreFLEXPlus. In jedem Haushalt ist ein 800 Liter Pufferspeicher mit Übergabestation installiert, der zusätzlich die Versorgungssicherheit garantiert.  

Eine Betriebssicherheit gibt die ENERPIPE „E-Control“ Visualisierung, damit kann vom Computer aus jederzeit das Wärmenetz betrachtet und optimiert werden.  „Wenn der Betreiber nicht selbst schon eingreift bei Unregelmäßigkeiten im Netz, reicht ein Anruf, um wichtige Parameter einzusehen und bei Bedarf anzupassen. Dieses System ist einfach, schnell und sicher,“ resultiert Geschäftsführer Heinloth von ENERPIPE .

 

Autarkie bei Ausnutzung aller natürlichen Ressourcen

 

Wie gut durchdacht diese Wärmeversorgung ist, zeigt sich auch auf den Dächern der Wirtschaftsgebäude des landwirtschaftlichen Betriebs. Um vollständig unabhängig von Strom- und Wärmeanbietern zu sein, hat die Firma Citrin Solar 680 m² Solarmodule auf den Dächern installiert. Die Funktion ist einfach: die Kollektoren fangen die Sonnenstrahlung auf und wandeln sie in thermische Energie um, bevor die Pufferspeicher die Wärme aufnehmen. So können im Sommer die Hackschnitzelkessel abgeschaltet werden, die Solarwärme reicht dann für die Warmwasserbereitung vollkommen aus. Auch die Stromversorgung für die Netzpumpen kommt von den Sonnenkollektoren – somit ist das Netz weitestgehend autark und selbstversorgend.

Von den Gesamtkosten des Wärmenetzes werden 30% über staatliche Förderungen bewilligt. Trotzdem ist Betreiber Gillen teilweise enttäuscht von den Auflagen der Politik: „diese Europagesetze bringen mich zum Verzweifeln! Ich musste ein teures Gutachten für die Inputstoffe der Biogasanlage erstellen lassen, welches die Nachhaltigkeit meiner Silage von Mais, Gras und Gülle bestätigt. Das sind wieder Zusatzkosten, die entstehen.“

Dem Klimawandel entgegenwirken? Mit einer Einsparung von 400.000 Litern Öl im Jahr kann sich die CO2 Bilanz sehen lassen. Durch die Nutzung vorhandener Energien stärken die Bürger von Winterspelt ihre Region und machen sich unabhängig von Öl- und Gaspreisen.